Warum Egoismus und Empathielosigkeit den Aufstieg der Lügenpolitik ermöglichen

„Lügen haben kurze Beine.“ – Dieses Sprichwort soll verdeutlichen, dass Lügen sich nicht lange halten können und die Wahrheit früher oder später ans Licht kommt. Doch was, wenn die Lüge nicht nur ein Mittel zum Zweck ist, sondern gezielt als Machtinstrument eingesetzt wird? Was, wenn Lügen nicht trotz, sondern gerade wegen ihrer Absurdität erfolgreich sind?

Genau diese Strategie verfolgen Donald Trump, J.D. Vance und andere autoritäre Akteure weltweit. Sie nutzen Lügen nicht nur zur Täuschung, sondern zur Loyalitätsprüfung und Machtsicherung. Doch was bringt Menschen dazu, offenkundige Lügen nicht nur zu glauben, sondern sie aktiv zu verbreiten? Der Schlüssel liegt in den psychologischen Mechanismen des Autoritarismus und den damit verbundenen Persönlichkeitsmerkmalen: Egoismus, fehlende Empathie und das Bedürfnis nach Hierarchie.


Die autoritäre Lüge als Machtsicherung

Wie der Spiegel-Kolumnist Sascha Lobo in seinem Artikel „Die Lügenweltmeister aus den USA“ treffend beschreibt, ist die Lüge im Autoritarismus kein peinlicher Fehler, sondern ein bewusst eingesetztes Werkzeug zur Machtkonsolidierung. Je offensichtlicher die Lüge, desto besser eignet sie sich zur Loyalitätsbestimmung.

🔹 Beispiel: Die „gestohlene Wahl 2020“
Wer in Trumps Umfeld Karriere machen wollte, musste nicht nur behaupten, die Wahl sei manipuliert gewesen – er musste diese absurde Lüge öffentlich vertreten und verteidigen. Dies war ein Signal: Ich bin loyal, selbst wenn es mich lächerlich macht.

🔹 Beispiel: „Der Himmel ist grün“
Lobo beschreibt die Dynamik mit einem simplen Vergleich: Trump sagt „Der Himmel ist grün“, und seine Anhänger wiederholen es blind. Das zeigt, dass sie Loyalität über Realität stellen. Es geht nicht um Fakten, sondern um das demonstrative Unterwerfen unter eine alternative Realität – eine, die der „Führer“ bestimmt.

🔹 Beispiel: Trump gibt der Ukraine die Schuld am Krieg, obwohl Putin der Aggressor ist – eine klare Täter-Opfer-Umkehr zur Durchsetzung wirtschaftlicher Interessen.

🔹 Beispiel: Alice Weidel behauptet im Interview mit Elon Musk, Hitler sei ein linker bzw. ein Kommunist gewesen – eine groteske Verdrehung der Geschichte, um das rechte Lager reinzuwaschen und den Nationalsozialismus mit dem politischen Gegner in Verbindung zu bringen.

Warum funktioniert das?
Wer eine absurde Lüge verteidigt, demonstriert maximale Unterwerfung (vgl. Sascha Lobo). Für den Anführer ist dies ein Zeichen absoluter Gefolgschaft. Für den Untergebenen bedeutet es, Teil eines exklusiven Kreises zu sein – und Teil einer Welt, die einfache Feindbilder bietet und Komplexität reduziert.


Der Zusammenhang zwischen Autoritarismus, Egoismus und Empathielosigkeit

Wie erklärt sich nun die Bereitschaft, diese absurden Lügen nicht nur zu akzeptieren, sondern sie aktiv zu verteidigen?

1. Autoritäre Persönlichkeiten sind egoistisch und unempathisch

Der Sozialpsychologe Theodor W. Adorno prägte mit seinem Buch „Die autoritäre Persönlichkeit“ (1950) eine entscheidende Erkenntnis: Autoritäre Persönlichkeiten neigen zu einer antidemokratischen, hierarchischen Weltsicht. Sie sind dominant und unterwürfig zugleich:

  • Sie fügen sich bedingungslos einer starken Führungspersönlichkeit.
  • Sie treten gleichzeitig aggressiv nach unten – gegenüber Minderheiten, Schwächeren oder Andersdenkenden.
  • Sie rechtfertigen ihr Verhalten mit Ideologien der Ungleichwertigkeit („Wir sind besser als die anderen“).

Diese Menschen fühlen sich von einer offenen, pluralistischen Gesellschaft überfordert. Sie sehen Vielfalt und individuelle Freiheiten als Bedrohung – und suchen Zuflucht in starren Hierarchien und einfachen Feindbildern.

2. Egoismus fördert die Bereitschaft zur Lüge

Egoistische, unempathische Menschen denken nicht in Kategorien von Wahrheit und Gerechtigkeit, sondern in Nutzenschemata:

„Welche Vorteile habe ich davon?“
„Welche Gruppe gibt mir das Gefühl, überlegen zu sein?“
„Welche Partei erlaubt mir, andere abzuwerten, ohne mich schuldig zu fühlen?“

Ein autoritärer Führer nimmt seinen Anhängern die moralische Verantwortung ab. Er erlaubt ihnen, ihre egoistischen Bedürfnisse zu befriedigen – ohne Scham, ohne Reflexion.

Trump & Co. bieten ihren Anhängern genau das:

  • Sie präsentieren Sündenböcke (Migranten, Medien, „die Eliten“).
  • Sie entlasten ihre Wähler von Verantwortung („Nicht ihr seid schuld an eurem Leben, sondern die anderen!“).
  • Sie geben das Gefühl von Zugehörigkeit („Wir gegen die da oben“).

Warum „Lügen haben kurze Beine“ im Autoritarismus nicht gilt

Das Sprichwort geht davon aus, dass Lügen irgendwann auffliegen und Konsequenzen haben. Doch in autoritären Systemen fehlt diese Kontrollinstanz.

📌 Die Lüge wird zur Norm: Wenn alle dieselbe Lüge verbreiten, verliert sie ihren Skandalcharakter.
📌 Die Anhänger haben keine Wahl: Wer die Lüge hinterfragt, wird selbst zum Feind.
📌 Die Lüge wird zur Realität: Wenn man oft genug wiederholt, dass der Himmel grün ist, wird es für viele zur Wahrheit.

Solange sich Anhänger der autoritären Bewegung egoistisch in ihrer Position wohlfühlen und keine negativen Konsequenzen befürchten, hält die Lüge.

Doch der entscheidende Punkt ist:

👉 Sobald die Lüge entlarvt wird, beginnt der Zerfall.


Fazit: Warum Trump und Weidel auf Lügen bauen – und warum sie scheitern werden

Trump, Weidel & Co. sind Meister darin, eine Parallelwelt aus Lügen zu erschaffen – eine, die sich auf Egoismus, Opportunismus und Hierarchiedenken stützt. Sie nutzen die autoritätshörige und ebenfalls egoistische und unempathische Persönlichkeitsstruktur ihrer Anhänger, um sie auf Linie zu halten.

Doch ihr größtes Problem ist: Lügen sind nur so lange erfolgreich, wie sie nicht entlarvt werden.

🔹 Die Ukraine ist kein Aggressor – und das erkennt die Mehrheit der Welt, genauso wie die Motivation hinter dieser Unterstellung
🔹 Illegale Parteispenden wie in der AfD werden aufgedeckt.
🔹 Autokratische Führer verlieren an Rückhalt, wenn ihre Versprechen scheitern.

Je größer die Lüge, desto tiefer der Fall. Und wenn das passiert, brechen autoritäre Systeme in sich zusammen – weil sie nichts anderes haben als ihre Lügen.


„Lügen haben kurze Beine“ – doch autoritäre Lügen sind brandgefährlich

Es ist unsere Aufgabe als demokratische Gesellschaft, diese Lügen zu entlarven, ihre Mechanismen zu verstehen und den Anhängern autoritärer Bewegungen Alternativen aufzuzeigen.

Denn nur, wenn die Wahrheit wieder mehr zählt als blinde Loyalität, können wir dem autoritären Aufstieg etwas entgegensetzen.

(Bei der Abbildung oben wurden Teile mit KI generiert und mit Photoshop weiterbearbeitet)

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